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Warum wir immer wieder in dieselben Muster geraten und wie man sie durchbricht

Neuer Partner, neue Chefin, neue Stadt, und doch dieselbe Geschichte. Was die Forschung über wiederkehrende Beziehungsmuster weiß, warum uns das Vertraute anzieht und wie man den Kreislauf behutsam unterbricht.

Mehrere gleich geformte Schleifen in Grün und Blau, aus deren letzter eine neue Linie in eine andere Richtung ausbricht

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Menschen erleben in verschiedenen Beziehungen ähnliche Abläufe. Die Psychologie beschreibt das seit Freud als Wiederholung.
  • Beziehungsmuster folgen oft derselben Schablone: ein Wunsch, eine erwartete Reaktion des anderen und die eigene Reaktion darauf.
  • Studien zeigen, dass frühere und aktuelle Partner sich in ihrer Persönlichkeit ähneln, und dass Menschen Partner bevorzugen, die ihr Selbstbild bestätigen.
  • Das Muster verschwindet selten ganz. Aber neben ihm können neue, hilfreichere Wege entstehen.

Ein neuer Partner, eine neue Chefin, eine neue Freundesgruppe, und nach ein paar Monaten fühlt es sich wieder genauso an: übergangen, kontrolliert oder allein gelassen. Viele kennen diesen Moment, in dem man denkt: „Nicht schon wieder.“ Dahinter steckt kein Pech, sondern oft ein Muster, das wir selbst mitbringen. Das ist keine Schuldfrage. Es ist eine Chance, denn was sich wiederholt, lässt sich auch erkennen.

Welche inneren Konflikte hinter solchen Mustern stehen können, beschreiben wir im Beitrag Innere Konflikte. Hier geht es darum, warum sie sich wiederholen.

Eine alte Beobachtung

Sigmund Freud fiel auf, dass Menschen schmerzhafte Erfahrungen nicht nur erinnern, sondern immer wieder neu erleben. In Jenseits des Lustprinzips (1920) beschrieb er einen Drang zur Wiederholung, der manchmal stärker ist als das Streben nach Wohlbefinden1. Spätere Psychoanalytiker sehen darin, dass Menschen früh gelernte Beziehungserfahrungen immer wieder neu inszenieren, und dass das vor allem dann belastend wird, wenn es mit den Anforderungen des Lebens zusammenstößt1.

Die Schablone in Beziehungen

Der US-Psychotherapieforscher Lester Luborsky hat diese Wiederholung messbar gemacht. Mit der Methode des zentralen Beziehungskonflikt-Themas (CCRT) beschreibt man drei Teile: was sich jemand von anderen wünscht, wie er die Reaktion der anderen erwartet und wie er selbst darauf reagiert. Solche Themen wiederholen sich über verschiedene Beziehungen hinweg wie eine Schablone und hängen mit frühen Erfahrungen zusammen2.

Auch das in Deutschland entwickelte Konfliktmodell der OPD hat für wiederkehrende Beziehungen eine eigene Achse „Beziehung“, neben den Achsen für Konflikt und Struktur3.

Ein Beispiel: Ich wünsche mir Anerkennung. Ich erwarte, dass andere mich übersehen. Also halte ich mich zurück, und werde dadurch tatsächlich übersehen. Das Muster bestätigt sich selbst, ohne dass es jemand will.

Haben wir einen „Typ“?

Eine Studie der University of Toronto im Fachjournal PNAS ging dieser Frage mit Daten des deutschen Beziehungs- und Familienpanels nach. Bei 332 Menschen verglichen die Forschenden die Persönlichkeit ihrer früheren und aktuellen Partner, jeweils nach deren eigener Auskunft4. Ergebnis: Frühere und aktuelle Partner ähnelten sich deutlich, und zwar über die Ähnlichkeit zur Person selbst hinaus45.

Warum das so ist, lässt die Studie offen. Ebenso offen ist, ob die Ähnlichkeit eher hilft, weil man Erfahrungen aus der letzten Beziehung nutzen kann, oder eher schadet, weil sich dieselben Probleme wiederholen5. Ähnliche Partner sind also kein Schicksal. Aber sie können ein Hinweis sein, genauer hinzuschauen.

Warum uns das Vertraute anzieht

Der US-Sozialpsychologe William Swann hat mit seiner Theorie der Selbstverifikation gezeigt, dass Menschen nicht nur nach Bestätigung suchen, sondern nach Stimmigkeit mit ihrem Selbstbild. In einer Studie mit 95 Ehepaaren waren Menschen mit einem negativen Selbstbild ihrer Ehe am stärksten verbunden, wenn auch der Partner eher wenig von ihnen hielt67. Menschen mit positivem Selbstbild fühlten sich dagegen in Beziehungen mit wohlwollenden Partnern am stärksten gebunden7. Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen.

Das Vertraute fühlt sich also sicher an, auch wenn es nicht guttut. Welche verborgenen Vorteile das hat, beschreiben wir im Beitrag Die verborgenen Vorteile alter Muster.

Wie man die Wiederholung durchbricht

Eine realistische Erwartung vorab: Forschung zum CCRT zeigt, dass das Hauptmuster auch nach einer Psychotherapie oft bestehen bleibt. Daneben entstehen aber neue, hilfreichere Muster2. Es geht also nicht darum, die Vergangenheit auszulöschen, sondern mehr Wahlmöglichkeiten zu gewinnen.

Diese Schritte helfen, das eigene Muster zu erkennen und zu unterbrechen:

  • Drei Situationen sammeln. Wo hast du dich ähnlich gefühlt, bei der Arbeit, in der Partnerschaft, in der Familie?
  • Die Schablone finden. Was wünschst du dir jeweils, was erwartest du von den anderen, und was tust du dann?
  • Den Kipppunkt bemerken. An welcher Stelle nimmt die Geschichte ihren gewohnten Lauf? Oft ist es ein bestimmtes Gefühl.
  • Eine kleine Abweichung wagen. Einmal sagen, was du dir wünschst, statt dich zurückzuziehen. Nur einmal, nicht für immer.
  • Hinschauen, was passiert. Hat die andere Person reagiert wie erwartet, oder anders?

Beim dritten Schritt hilft es, Gefühle genau benennen zu können. Wie das geht, beschreiben wir in Gefühle benennen lernen.

Unsere Ideen für MindMotion

MindMotion ist keine Therapie und bietet keine an. Die App ist ein Werkzeug zur psychologischen Selbstreflexion, näher am Coaching. Aus den Erkenntnissen oben leiten wir Ideen ab, die in Planung sind und mit Nutzerinnen und Nutzern getestet werden.

  • Der Muster-Spiegel. Zu jeder Situation hältst du drei Dinge fest: deinen Wunsch, die erwartete Reaktion und deine eigene Reaktion. So wird die Schablone sichtbar.
  • „Das klingt vertraut.“ Wenn eine neue Situation einer früheren ähnelt, weist die App behutsam darauf hin, nur wenn du das möchtest.
  • Kipppunkte erkennen. Die App hilft dir, das Gefühl zu finden, an dem die Geschichte gewöhnlich kippt, damit du es beim nächsten Mal früher bemerkst.
  • Neue Szenen als Moves. Kleine Experimente, in denen du an einer Stelle anders reagierst als sonst, mit einem kurzen Rückblick danach.
  • Alte und neue Wege nebeneinander. Die App zeigt nicht nur das alte Muster, sondern auch die Momente, in denen du schon anders gehandelt hast.

Warum dieser Weg Zeit braucht, liest du in Veränderung braucht Zeit. Und wenn du sehen willst, welche Muster bei dir wirken, probier den Mind-Check aus.

Quellen

  1. Bonnet, G.: Repetition compulsion. In: de Mijolla, A. (Hrsg.), International Dictionary of Psychoanalysis. Encyclopedia.com
    www.encyclopedia.com/medicine/psychology/psychology-and-psychiatry/compulsive-behavior
  2. Grenyer, B. F. S. & Marceau, E. M. (2022). Helping patients master core conflictual relationship themes in psychotherapy. Journal of Clinical Psychology, 78(3), 386–395. PubMed Central (NIH)
    pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9306742
  3. Arbeitskreis OPD (Hrsg.) (2023). OPD-3: Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik. Hogrefe Verlag
    www.hogrefe.com/de/shop/opd-3-operationalisierte-psychodynamische-diagnostik.html
  4. Park, Y. & MacDonald, G. (2019). Consistency between individuals’ past and current romantic partners’ own reports of their personalities. Proceedings of the National Academy of Sciences, 116(26), 12793–12797. PNAS
    www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1902937116
  5. University of Toronto (2019). Press release on Park & MacDonald (2019). ScienceDaily
    www.sciencedaily.com/releases/2019/06/190610160248.htm
  6. Swann, W. B., Hixon, J. G. & De La Ronde, C. (1992). Embracing the bitter “truth”: Negative self-concepts and marital commitment. Psychological Science, 3(2). Association for Psychological Science
    www.psychologicalscience.org/journals/psychological-science/j.1467-9280.1992.tb00010.x
  7. Study shows people prefer spouses who confirm self-image (report on Swann et al., 1992). The Chronicle of Higher Education
    www.chronicle.com/article/study-shows-people-prefer-spouses-who-confirm-self-image
  8. TelefonSeelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de
    www.telefonseelsorge.de

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