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Therapie-App oder Coaching-App? Was psychologische Apps können und was nicht

Viele suchen nach einer Therapie-App. Doch nicht jede Psychologie-App ist Therapie, und nicht jede muss es sein. Was die Forschung über Wirkung, Grenzen und Datenschutz sagt, woran du eine gute App erkennst und wofür MindMotion gedacht ist.

Ein Smartphone an einer Weggabelung: ein Weg führt zu einem Kreuz-Symbol für Behandlung, der andere zu einem Kompass für Selbstreflexion

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt drei Arten von Apps: DiGA auf Rezept, Selbsthilfe- und Achtsamkeits-Apps sowie Coaching- und Reflexions-Apps.
  • Apps zeigen im Mittel kleine, aber verlässliche Effekte. Mit menschlicher Begleitung wirken sie meist besser.
  • Die größten Schwächen: Viele hören schnell auf, und viele Apps geben Daten an Dritte weiter.
  • MindMotion ist keine Therapie-App, sondern ein Angebot zur psychologischen Selbstreflexion, näher am Coaching.

Wer nachts nicht schlafen kann, weil der Streit mit dem Partner oder der Ärger im Job nicht aus dem Kopf geht, greift oft zuerst zum Handy. Suchbegriffe wie „Therapie-App“ oder „Psychologie-App“ führen zu Hunderten Angeboten. Doch was steckt dahinter? Und was kann eine App wirklich leisten?

Warum so viele nach einer Therapie-App suchen

Apps sind sofort da, kosten wenig oder nichts und brauchen keinen Termin. Man kann sie nachts um zwei öffnen, ohne jemandem erklären zu müssen, worum es geht. Das senkt die Schwelle, sich überhaupt mit sich selbst zu beschäftigen.

Gleichzeitig ist der Begriff „Therapie-App“ irreführend. Psychotherapie ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Das Psychotherapeutengesetz beschreibt sie als Tätigkeit „zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert“ mit wissenschaftlich anerkannten Verfahren. Ausdrücklich nicht dazu gehören Tätigkeiten, die nur „die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde“ zum Gegenstand haben9. Genau hier verläuft die Grenze zwischen Therapie und Coaching.

Drei Arten von Apps im Überblick

Was im App-Store unter „mentale Gesundheit“ läuft, lässt sich grob in drei Gruppen einteilen:

DiGA

„App auf Rezept“
Wofür
Ergänzung einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung
Zugang
Verordnung durch Arztpraxis oder Psychotherapeutin, oder Genehmigung der Krankenkasse8
Geprüft
vom BfArM auf Sicherheit, Funktion, Datenschutz und positiven Versorgungseffekt8

Selbsthilfe & Achtsamkeit

Meditation, Stimmungstagebuch, Übungen
Wofür
Entspannung, Stress abbauen, Gewohnheiten aufbauen
Zugang
frei im App-Store, oft im Abo
Geprüft
sehr unterschiedlich, von gut erforscht bis gar nicht

Coaching & Reflexion

sich selbst verstehen, Ziele, Konflikte
Wofür
Muster erkennen, Beziehungen und Alltag klären, Neues ausprobieren
Zugang
frei, ohne Rezept
Geprüft
kein Medizinprodukt; Qualität hängt von fachlicher Grundlage und Transparenz ab

Was Apps können: die Stärken

Die Forschung zu Apps ist inzwischen umfangreich. Ein internationales Team um den australischen Psychologen Jake Linardon, den US-Psychiater John Torous und den niederländischen Psychologen Pim Cuijpers hat 176 randomisierte Studien ausgewertet. Apps hatten kleine, aber bedeutsame Effekte auf depressive Beschwerden (g = 0,28) und auf allgemeine Ängste (g = 0,26). Die Effekte blieben über die Nachbeobachtung stabil und auch dann bestehen, wenn kleine oder methodisch schwächere Studien herausgerechnet wurden1. Am besten schnitten Apps mit Elementen der kognitiven Verhaltenstherapie, Stimmungs-Tracking oder Chatbot-Funktionen ab1.

Klein heißt dabei nicht bedeutungslos. Auf viele Menschen verteilt, die sonst gar keine Unterstützung hätten, kann ein kleiner Effekt viel bewirken. Eine Übersichtsarbeit um John Torous beschreibt die Entwicklung digitaler Angebote deshalb als vielversprechend, betont aber auch, dass die Belege noch früh sind und die Umsetzung im Alltag die größte Hürde ist11.

Auch Coaching hat eine solide Grundlage. Eine niederländische Metaanalyse um Tim Theeboom fand positive Effekte von Coaching auf Leistung, Wohlbefinden, Bewältigung, Einstellung zur Arbeit und zielgerichtete Selbststeuerung, mit Effektstärken zwischen g = 0,43 und g = 0,747. Diese Studien betrafen Coaching durch Menschen im beruflichen Umfeld, nicht Apps. Sie zeigen aber, dass strukturierte Selbstreflexion mit klaren Zielen etwas verändern kann.

Was Apps nicht können: die Grenzen

Allein ist schwerer als begleitet

Ein Team um die deutschen Psychologen Matthias Berking, Harald Baumeister und David Ebert hat Apps untersucht, die ganz ohne menschliche Begleitung genutzt werden. Bei depressiven Beschwerden zeigte sich ein Effekt, bei Ängsten dagegen kein verlässlicher2. Das Fazit der Autorinnen und Autoren: Als alleinige psychologische Behandlung können solche Apps nach aktuellem Stand nicht empfohlen werden2.

Harald Baumeister und Kollegen haben außerdem verglichen, was Begleitung bei Online-Programmen ausmacht. Begleitete Programme führten zu geringeren Beschwerden und wurden häufiger zu Ende gemacht. Die Chance, ein Programm abzuschließen, war mit Begleitung fast dreimal so hoch (OR = 2,76)3. Wie hoch die Qualifikation der Begleitpersonen war, spielte in den wenigen Studien dazu kaum eine Rolle3.

Viele hören schnell auf

Eine Auswertung echter Nutzungsdaten zeigt, wie groß die Herausforderung ist: Im Mittel öffneten nur 4 Prozent der Menschen, die eine App für psychisches Wohlbefinden installiert hatten, sie an einem bestimmten Tag. Nach 30 Tagen waren es im Mittel noch 3,3 Prozent4. Die beste App nützt nichts, wenn sie nach drei Tagen in einem Ordner verschwindet.

Daten sind ein heikles Thema

Wer einer App seine Gefühle anvertraut, sollte wissen, wohin die Daten gehen. Eine Untersuchung von Kit Huckvale, John Torous und Mark Larsen prüfte 36 beliebte Apps zu Depression und Rauchstopp:

Was 36 beliebte Apps mit Daten machten

gaben Daten an Dritte weiter33
davon an Dienste von Google oder Facebook29
legten das in der Datenschutzerklärung korrekt offen12
Anzahl der Apps von 36. Quelle: Huckvale, Torous & Larsen (2019)5

Eine App ist kein Gegenüber

Ein großer Teil dessen, was in einer Therapie hilft, entsteht in der Beziehung. Eine Metaanalyse um den Schweizer Psychologen Christoph Flückiger und den US-Psychologen Bruce Wampold fasste 295 Studien mit mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten zusammen. Die Qualität der Arbeitsbeziehung hing robust mit dem Ergebnis der Therapie zusammen (r = .28)6. Eine App kann freundlich sein, gut zuhören und nachfragen. Ein Mensch, der dich kennt und mit dir durch schwierige Zeiten geht, ist sie nicht. Mehr dazu liest du in Beziehung zuerst.

Welche Unterstützung passt zu mir?

Ein einfacher Wegweiser. Er ersetzt keine fachliche Einschätzung, hilft aber bei der ersten Orientierung:

  1. Bist du gerade in einer akuten Krise?

    JaSofort Hilfe holen: TelefonSeelsorge oder 112
    NeinWeiter zur nächsten Frage
  2. Geht es dir seit Wochen schlecht, oder klappt der Alltag kaum noch?

    JaMit Hausarztpraxis oder psychotherapeutischer Praxis sprechen. Dort kann auch eine DiGA verordnet werden.
    NeinWeiter zur nächsten Frage
  3. Was möchtest du?

    EntspannenAchtsamkeits- und Selbsthilfe-Apps
    Dich verstehenCoaching- und Reflexions-Apps wie MindMotion

Woran du eine gute App erkennst

Die American Psychiatric Association hat ein Prüfmodell entwickelt, das in mehreren Stufen vorgeht. Es beginnt bei Hintergrund und Zugang, prüft dann Datenschutz und Sicherheit, die fachliche Grundlage und die Bedienbarkeit und fragt zuletzt, ob die Daten zu deinen Zielen passen und sich teilen lassen10. Datenschutz und Sicherheit gehören laut APA zu den wichtigsten Punkten überhaupt10. Daraus lässt sich eine einfache Checkliste ableiten:

  • Wer steckt dahinter? Gibt es ein Impressum, eine erkennbare Firma und fachlich qualifizierte Köpfe?
  • Was passiert mit meinen Daten? Werden sie weitergegeben? Kann ich die App ohne Konto nutzen?
  • Worauf beruht sie? Wird ein fachliches Modell oder Forschung genannt, und zwar nachvollziehbar?
  • Komme ich gern zurück? Kurze Einheiten, eine klare Struktur und ein Ton, der zu dir passt.
  • Sagt sie, was sie nicht kann? Eine seriöse App verspricht keine Heilung und nennt Hilfe für Krisen.

Therapie, Coaching, App: was ist was?

PsychotherapieCoachingReflexions-App
ZielBehandlung von ErkrankungenZiele, Klarheit, Entwicklungsich selbst besser verstehen, Neues ausprobieren
Gegenüberapprobierte Psychotherapeutin oder PsychotherapeutCoachdigitaler Begleiter, du selbst
Rahmengesetzlich geregelt9freifrei, kein Medizinprodukt
StärkeBeziehung, Tiefe, BehandlungFokus, Strukturjederzeit da, niedrige Schwelle

Was MindMotion sein will

MindMotion bietet keine Psychotherapie an und ist keine Therapie-App. Die App ist ein Angebot zur psychologischen Selbstreflexion und steht dem Coaching näher. Sie richtet sich an Menschen, die merken, dass sich bestimmte Konflikte wiederholen, im Job, in der Partnerschaft oder in der Familie, und die verstehen wollen, warum.

Die fachliche Grundlage ist das Konfliktmodell der OPD, ein in Deutschland entwickeltes psychodynamisches Modell innerer Grundkonflikte. Mehr dazu erfährst du in Innere Konflikte verstehen. Entwickelt wird MindMotion von einem Psychologen und approbierten Psychotherapeuten, mit dem klaren Anspruch, keine Behandlung zu versprechen.

Wie das konkret aussieht, zeigt So funktioniert MindMotion mit Screenshots. Und warum Veränderung Zeit braucht, liest du in Veränderung braucht Zeit.

Häufige Fragen

Gibt es eine Therapie-App, die eine Psychotherapie ersetzt?

Nein. Auch gut untersuchte Apps zeigen im Mittel kleine Effekte und ersetzen keine Behandlung durch Fachleute. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können eine Behandlung ergänzen und werden in Deutschland von Ärztinnen, Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verordnet oder von der Krankenkasse genehmigt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Therapie-App und einer Coaching-App?

Eine Therapie-App im engeren Sinn ist ein geprüftes Medizinprodukt zur Behandlung, etwa eine DiGA auf Rezept. Coaching- und Reflexions-Apps richten sich an Menschen, die sich selbst besser verstehen, Konflikte im Alltag klären oder Ziele erreichen wollen. Sie behandeln keine Erkrankungen.

Wirken Psychologie-Apps überhaupt?

Eine Metaanalyse von 176 randomisierten Studien fand kleine, aber verlässliche Effekte von Apps auf depressive Beschwerden und Ängste. Apps mit menschlicher Begleitung schneiden in Studien meist besser ab als Apps, die man ganz allein nutzt.

Woran erkenne ich eine gute Psychologie-App?

Achte darauf, wer hinter der App steht, was mit deinen Daten passiert, ob es Forschung oder eine fachliche Grundlage gibt, ob dir die Bedienung liegt und ob die App klar sagt, was sie nicht kann. Die American Psychiatric Association hat dafür ein Prüfmodell in mehreren Stufen entwickelt.

Ist MindMotion eine Therapie-App?

Nein. MindMotion bietet keine Psychotherapie an. Die App ist ein Angebot zur psychologischen Selbstreflexion und steht dem Coaching näher: Sie hilft dir, wiederkehrende Konflikte im Alltag mit inneren Mustern zu verbinden und kleine neue Schritte auszuprobieren.

Teste unseren Prototyp

MindMotion ist noch in Entwicklung, und wir wollen es mit dir zusammen besser machen. Der Prototyp ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Starte den Mind-Check, entdecke, welche Muster hinter deinen Konflikten stecken, und sag uns, was dir hilft und was fehlt.

Quellen

  1. Linardon, J., Torous, J., Firth, J., Cuijpers, P., Messer, M. & Fuller-Tyszkiewicz, M. (2024). Current evidence on the efficacy of mental health smartphone apps for symptoms of depression and anxiety. A meta-analysis of 176 randomized controlled trials. World Psychiatry, 23(1), 139–149. Vrije Universiteit Amsterdam
    research.vu.nl/en/publications/current-evidence-on-the-efficacy-of-mental-health-smartphoneapps-
  2. Weisel, K. K., Fuhrmann, L. M., Berking, M., Baumeister, H., Cuijpers, P. & Ebert, D. D. (2019). Standalone smartphone apps for mental health – a systematic review and meta-analysis. npj Digital Medicine, 2. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
    cris.fau.de/publications/230985540
  3. Baumeister, H., Reichler, L., Munzinger, M. & Lin, J. (2014). The impact of guidance on Internet-based mental health interventions – A systematic review. Internet Interventions, 1(4), 205–215. ScienceDirect (Elsevier)
    www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214782914000244
  4. Baumel, A., Muench, F., Edan, S. & Kane, J. M. (2019). Objective user engagement with mental health apps: Systematic search and panel-based usage analysis. Journal of Medical Internet Research, 21(9), e14567. JMIR
    www.jmir.org/2019/9/e14567
  5. Huckvale, K., Torous, J. & Larsen, M. E. (2019). Assessment of the data sharing and privacy practices of smartphone apps for depression and smoking cessation. JAMA Network Open, 2(4), e192542. JAMA Network
    jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/10.1001/jamanetworkopen.2019.2542
  6. Flückiger, C., Del Re, A. C., Wampold, B. E. & Horvath, A. O. (2018). The alliance in adult psychotherapy: A meta-analytic synthesis. Psychotherapy, 55(4), 316–340. Society for the Advancement of Psychotherapy (APA Division 29)
    www.societyforpsychotherapy.org/wp-content/uploads/2018/10/Fluckiger-et-al-2018.pdf
  7. Theeboom, T., Beersma, B. & van Vianen, A. E. M. (2014). Does coaching work? A meta-analysis on the effects of coaching on individual level outcomes in an organizational context. The Journal of Positive Psychology, 9(1), 1–18. Vrije Universiteit Amsterdam
    research.vu.nl/en/publications/does-coaching-work-a-meta-analysis-on-the-effects-of-coaching-on-
  8. Bundesministerium für Gesundheit: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). bundesgesundheitsministerium.de
    www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/online-ratgeber-krankenversicherung/arznei-heil-und-hilfsmittel/digitale-gesundheitsanwendungen.html
  9. Psychotherapeutengesetz (PsychThG), § 1 Berufsbezeichnung, Berufsausübung. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
    www.gesetze-im-internet.de/psychthg_2020/__1.html
  10. American Psychiatric Association: The App Evaluation Model. psychiatry.org
    psychiatry.org/psychiatrists/practice/mental-health-apps/the-app-evaluation-model
  11. Torous, J., Bucci, S., Bell, I. H., Kessing, L. V., Faurholt-Jepsen, M., Whelan, P., Carvalho, A. F., Keshavan, M., Linardon, J. & Firth, J. (2021). The growing field of digital psychiatry: Current evidence and the future of apps, social media, chatbots, and virtual reality. World Psychiatry, 20(3), 318–335. Western Sydney University
    researchers.westernsydney.edu.au/en/publications/the-growing-field-of-digital-psychiatry-current-evidence-and-the-
  12. TelefonSeelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de
    www.telefonseelsorge.de

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Dieser Beitrag dient der Information. MindMotion ist ein Angebot zur psychologischen Selbstreflexion und bietet keine Psychotherapie an. Beitrag und App sind kein Ersatz für eine psychotherapeutische oder ärztliche Abklärung oder Behandlung. Wenn es dir länger schlecht geht, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis. In einer akuten Krise erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall wähle 112.